Die englische Abkürzung VOC (Volatile Organic Compounds) bezeichnet die Gruppe der flüchtigen organischen Verbindungen. VOC umschreibt gas- und dampfförmige Stoffe organischen Ursprungs in der Luft. Dazu gehören zum Beispiel Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Aldehyde und organische Säuren. Viele Lösemittel, Flüssigbrennstoffe und synthetisch hergestellte Stoffe können als VOC auftreten, aber auch zahlreiche organische Verbindungen, die in biologischen Prozessen gebildet werden. Viele hundert verschiedene Einzelverbindungen können in der Luft gemeinsam auftreten.

Unsere Raumluft

Chemische Stoffe können in den verschiedensten Aggregatzuständen (fest, flüssig, gasförmig) in Innenräumen vorkommen. Die Atemluft besteht aus organischen und anorganischen Gasen, Aerosolen und Partikeln.

VOC Gase kann man grob nach ihren Siedetemperaturen in unterschiedlich flüchtige organische unterteilen.

Messverfahren zur Bestimmung der VOC Richtwerte

DIN EN 16516:2018-01: Die Norm legt die Messmethodik für die Freisetzung von gefährlichen Stoffen unter Laborbedingungen fest. Die Norm bestimmt Baustoffemissionen an die Innenraumluft – ohne Fremdeinfluss und bei konstanten Prüfraum- und Klimabedingungen.

DIN ISO 16000 (Raumluftprüfung): Normenreihe für die Messmethodik der TVOC und Einzel-VOC in Innenräumen. VOC-Werte verändern sich jedoch bei nicht normgerechten Raumklimafaktoren (VOC, CO2, Temperatur, Feuchte und Luftwechsel etc.), was dann zu Vertragskonflikten führen könnte.

Best Practice: Kindertagesstätte – Holzbau 2020

Das Emissionsverhalten von Baustoffen im Sinne des baulichen Gesundheitsschutzes gemäß Landesbauordnungen wird für die ausschreibenden Stellen immer wichtiger. Die Baustoffhersteller haben auf die Vorgaben zur VOC Reduzierung reagiert. Was Trocknung, Verleimung, Lagerung und Auswahl der Rohstoffe anbelangt, haben die Holz- und 16 Holzwerkstoffhersteller ihre Produkte fortwährend verbessert, damit möglichst wenig VOC in die Raumluft abgegeben werden.

Was ist in der Praxis wichtig?

Für komplette Holzbauprojekte, besonders für Kindergärten und Pflegeeinrichtungen ist generell die Einhaltung eines Qualitätskontrollverfahrens zum baulichen Gesundheitsschutz zu empfehlen. Für die Generalunternehmer und Architekten gelten folgende bewährte Kontrollverfahren.

OSB in der Kritik – Richtwerte für die Raumluftqualität verunsichern den Holzbau.

Keine Frage, zur Rettung des Erdklimas wird die Bauweise mit Holz wegen ihrer guten Ökobilanz präferiert. Nachhaltige Holzbauweisen sind daher auf dem Vormarsch, wobei die Holzabsatzzahlen 2017 zeigen, dass die aktuelle Nachfrage ohne verleimte Holzwerkstoffe und die Verwertung von Restholz nicht befriedigt werden könnte. Gleichzeitig wurden die Emissionsrichtlinien für das Wohnklima immer weiter verschärft, was mitunter für Rechtsprobleme sorgte, obwohl Planer und Holzbauunternehmen vorsorglich qualitativ hochwertige, emissionsgeprüfte und amtlich zugelassene OSB Holzwerkstoffe eingesetzt hatten.

Fehler bei Raumluftmessungen

Aktuelle Praxisfälle zeigen, dass moderne Wohn-, Arbeits- und Schulräume meist nicht ausreichend gelüftet werden, um einen gesundheitsförderlichen Luftwechsel zu gewährleisten. Deshalb wird der Einsatz von Lüftungsanlagen zur sicheren Einhaltung der Innenraumluftrichtwerte und für eine behagliche Raumluftqualität dringend empfohlen. Gemäß unseren aktuellen Messergebnissen werden die behördlich empfohlenen VOC-Raumluftrichtwerte in Gebäuden mit standardgemäßer OSB-Bauweise problemlos eingehalten, wenn die beschriebenen Qualitätssicherungsmaßnahmen umgesetzt und messwertverfälschende Klima- und Fremdeinwirkungen vermieden werden.

Kann Natur denn schädlich sein?

Holzoberflächen machen Innenräume warm und gemütlich. Gleichzeitig beeinflusst Holz durch seine natürlichen flüchtigen organischen Verbindungen (nVOCs, engl.: natural Volatile Organic Compounds) jedoch auch die Raumluftqualität. In gut belüfteten Räumen werden die aus den Hölzern emittierende Substanzen als angenehm und naturnah empfunden. Die geltenden nVOC-Richtwerte des Umweltbundesamtes können jedoch Anlass zu Rechtsstreit geben, obwohl faktisch gar kein Gesundheitsrisiko besteht, da die NIK-Werte eingehalten werden. Die neue Broschüre vom Holzbau Deutschland Institut „Kann Natur denn schädlich sein?“ informiert darüber, wie rechnerisch ermittelte nVOC-Grenzwerte unbehandeltes Holz zur „Gesundheitsgefahr“ im Innenraum stigmatisieren und wie verlässlich ein NIK-Wert ist.